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Ultraschall gegen Lungenembolie

Lungenembolien werden schnell lebensbedrohlich oder führen zu schweren Folgeschäden. Eine Behandlung mit Blutverdünnern ist langwierig und nur in leichten Fällen möglich, die Auflösung der Verstopfung durch spezielle Fibrinolytika unter Umständen mit gefährlichen Nebenwirkungen verbunden. Ärzte des Universitätsklinikums Jena haben eine Methode gefunden, um die Blutgerinnsel schnell, effektiv und mit vergleichsweise geringem Risiko aufzulösen.

Lungenembolie und die Folgen

Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß in der Lunge. Der Embolus stammt meistens aus den Beckenvenen oder tiefen Beinvenen und gelangt über die Blutbahn in das Atmungsorgan. Der Verschluss führt dazu, dass zu wenig Sauerstoff ins Blut und damit in den Körper gelangt. Die daraus resultierende Luftnot führt schnell zu lebensbedrohlichen Zuständen.

Zum Unterschied zwischen Thrombose und Embolie.

Darüber hinaus muss das Herz bei einer nicht erkannten und unbehandelten Lungenembolie gegen einen erhöhten Widerstand im Lungenkreislauf anpumpen. Das führt zu einer Vergrößerung der rechten Herzhälfte, die für die Versorgung des Lungenkreislaufes zuständig ist (Rechtsherzhypertrophie). Letztendlich kann die ständige Überbelastung des Herzens zu Herzversagen und Tod führen. Andere mögliche Folgeerscheinungen sind Herzrhythmusstörungen oder ein Lungeninfarkt, bei dem Teile des Lungengewebes nekrotisch werden und absterben.

Eine schnelle Behandlung ist notwendig, um solche weitreichenden Komplikationen zu vermeiden.

Die Behandlung einer leichten Lungenembolie

Leichtere, nicht unmittelbar lebensbedrohende Fälle von Lungenembolie behandeln Ärzte mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Antikoagulantien). Das trifft auf drei Viertel der Fälle zu. Mit Heparin versuchen sie, das weitere Entstehen von Thromben in den Beinvenen und das Weiterwachsen des Embolus in der Lunge zu verhindern. In der Regel kann der Körper kleine Blutgerinnsel mit der Zeit selbst beseitigen. Nach der einleitenden Therapie mit Heparin muss der Patient die Antikoagulation mit Tabletten fortsetzen (orale Antikoagulation mit Marcumar, Warfarin), gegebenenfalls für längere Zeit oder lebenslang.

Thrombolyse bei schweren Lungenembolien

In schwereren Fällen versucht man den Embolus in der Lunge durch medikamentöse Thrombolyse (Lyse-Therapie) zu beseitigen. Dabei lösen intravenös applizierte Thrombolytika (Fibrinolytika) den Thrombus oder Embolus auf. Dies geschieht durch die Aktivierung des körpereigenen Plasminogens, das zu Plasmin umgewandelt die Fibrinfäden in Blutgerinnseln angreift.

Hierfür verwendete man früher Streptokinase und Urokinase, die man wegen ihrer antigenen Wirkung mittlerweile meist durch gentechnisch hergestellten rekombinanten Plasminogenaktivator (rtPA) ersetzt.

In anderen Fällen führt der Chirurg einen Gefäßkatheter ein und zerkleinert mit speziellen Instrumenten oder mittels Ultraschall den Embolus.

Sind diese Verfahren nicht erfolgreich, muss man gegebenenfalls das Blutgerinnsel chirurgisch in einer offenen Operation aus der Lunge entfernen (pulmonale Embolektomie).

Nachteile der aktuellen Thrombolyseverfahren

Eine Thrombolyse erfordert hohe Dosen des Medikaments, das sich im gesamten Körper verteilt, obwohl es nur den Embolus in dem verstopften Lungengefäß auflösen soll. Zudem dauert dieser Vorgang bei größeren Emboli relativ lange, da die Substanz nur an dessen Oberfläche angreifen kann und sich erst langsam vorarbeiten muss.

Systemisch angewandte Fibrinolytika haben den Nachteil, dass sie unter Umständen Blutgerinnsel beseitigen, die an anderer Stelle schlimmeres verhindern. Werden diese mit aufgelöst, äußert sich das in inneren Blutungen, etwa im Gehirn. Wegen solcher Nebenwirkungen führt man eine Lysetherapie lediglich in akuten Notfallsituationen durch, in denen die Lungenembolie unmittelbar lebensbedrohend ist.

Offene Operationen am Brustkorb sind nur möglich, wenn eine Herz-Lungen-Maschine die Atmung und Herzfunktion während der Eröffnung (Thorakotomie) übernimmt. Einen solchen riskanten Eingriff versucht man möglichst zu vermeiden.

Eine neue Methode

Eine wesentliche Verbesserung bringt die lokale Thrombolyse, bei dem man das Medikament über einen Gefäßkatheter unmittelbar an Ort und Stelle bringt. Dadurch kann man die Menge des Fibrinolytikums bereits deutlich reduzieren.

In der Klinik für Innere Medizin I, Kardiologie im Universitätsklinikums Jena wenden Ärzte eine Erweiterung dieser Methode an, um Blutgerinnsel gezielter bekämpfen zu können. Das Team um die Oberärzte Dr. Daniel Kretzschmar und Dr. Sven Möbius-Winkler setzen dabei neben der lokalen Anwendung des Fibrinolytikums zusätzlich auf Ultraschallwellen, die bei der Auflösung des Embolus helfen.

Dazu schiebt man über einen Zugang in der Leiste ein Gefäßkatheter bis zur Stelle der Verstopfung vor. Darüber lässt sich das Medikament direkt an den Ort des Geschehens applizieren. Eine über den Katheter eingeführte Ultraschallsonde sorgt durch feinste Vibrationen dafür, dass das Medikament die Oberfläche des Blutgerinnsels gut aufzulösen vermag.

Die Vorteile der neuen Methode

Der Vorteil liegt vor allem darin, dass bei gezielter Einbringung an den Ort der Embolie und Unterstützung der Lyse durch Ultraschall die Dosierung des Thrombolytikums wesentlich geringer sein kann als bei systemischer Verteilung. Damit sinkt auch das Risiko von Nebenwirkungen wie inneren Blutungen. Der Patient bekommt von alledem fast nichts mit.

Aussichten für die Zukunft

Ärzte dürften hellhörig werden, wenn sie von dieser neuartigen Behandlungsmethode hören. Denn Lungenembolien sind nicht die einzigen Gefäßverstopfungen, bei denen eine verbesserte Lysetherapie von Interesse ist. Nicht minder lebensbedrohend sind ischämische Hirninfarkte oder Herzinfarkte. Auch diese behandelt man in lebensbedrohlichen Fällen mit einer Fibrinolyse endovaskulär über Gefäßkatheter.

Sollte eine zusätzliche Behandlung mit einer Ultraschallsonde zu einer besseren Thrombolyse führen, dürfte das auch hier zu einer Therapieverbesserung führen.

Außerdem könnte eine Kombination aus Fibrinolyse und Ultraschall auch für die Behandlung von Beinvenenthrombosen interessant sein.

Quellen